Meine Rohkost – Teil 1: die Theorie

15. Januar 2019

 

Hier auf meinem Blog habe ich meine Ernährung bisher nie groß zum Thema gemacht – klar, es ist ja auch ein Interior Blog. Allerdings hatte ich via Instagram, wo ich schon ab und zu mal was zum Thema Rohkost gepostet habe, immer wieder Anfragen, doch mal etwas zu meiner rohköstlichen Ernährung zu schreiben. Den Wunch erfülle ich hiermit nun endlich!

 

Durian – eine exotische Frucht und unbeschreiblich köstlich.

 

Ein paar kurze Anmerkungen gleich mal vorweg, da sie mir sehr wichtig sind:
Ich möchte mit diesen Beiträgen niemanden bekehren. Ich erfülle wie gesagt nur die Bitte vieler meiner Follower, doch mal etwas zum Thema Rohkost zu posten – was ich liebend gerne tue!
Was ich in den vier Beiträgen dazu schreiben werde, beruht zum größten Teil auf meiner eigenen Erfahrung zu rohköstlicher Ernährung (die im April 2019 immerhin bereits sechs Jahre beträgt). Nicht alles kann ich wissenschaftlich belegen. Habt bitte Nachsicht mit mir. ;)
Ich kann daher natürlich auch keine Verantwortung dafür überneehmen, wie gut oder schlecht diese Ernährung bei anderen funktioniert. Und einen Arzt ersetze ich sowieso nicht. Ich schreibe hier wie gesagt meine persönliche Erfahrung nach bestem Wissen und Gewissen nieder. Ihr kennt diese Art von Hinweisen in Ernährungsratgebern? ;)
Ach so: Und seid euch bitte bewusst, dass ich mit meinen paar Blogposts das Thema rohköstliche Ernährung nur anschneiden kann. Es ist einfach viiiel zu umfangreich. Im letzten Post dieser Serie werde ich euch aber noch Empfehlungen zu Büchern, Websites, Foren etc. geben, wenn ihr mehr über Rohkost erfahren möchtet. Und für Fragen stehe ich natürlich auch jederzeit zur Verfügung.

 

Ich beim Schlehen sammeln – Wildobst schmeckt und ist einfach super gesund!

 

Was bedeutet „Rohkost“ überhaupt?
Erstmal: Dass man nur rohes isst. Das Essen wird also nicht erhitzt. Als Temperaturgrenze gelten 42°C, da sich bei höheren Temperaturen die Lebensmittel negativ verändern, was schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.

Was letztendlich genau auf dem Speiseplan eines Rohköstlers steht, hängt zum Teil aber davon ab, welcher Richtung man sich zuordnet (siehe unten). Natürlich ist allen gemein, dass das Essen bei der Zubereitung nicht erhitzt wird. Das heißt, es wird nicht gekocht, gedünstet, gebacken oder gebraten. Auch die Zutaten sollten roh sein (Trockenfrüchte aus dem Supermarkt wurden z.B. oft bei sehr hohen Temperaturen getrocknet und sind nicht mehr roh). Selbstverständlich esse ich auch keine pasteurisierten Lebensmittel wie Milchprodukte, Säfte oder Sachen aus Konserven. Und da ich oft gefragt werde: auch Kaffee und Tee sind keine Rohkost. Und Brot auch nicht (Irgendwie scheint das manchem nicht klar zu sein, obwohl Brot natürlich gebacken ist. Vielleicht weil man es kalt verzehrt?).

Die „strengeren“ Rohköstler legen auch noch Wert darauf, dass ihre Lebensmittel möglichst ursprünglich und gänzlich unbehandelt sind. So werden von einigen zum Beispiel kernlose (Weintrauben, Wassermelonen,…) ebenso wie stark gezüchtete Früchte abgelehnt. Auch gefrorenes oder geräuchertes (Räucherlachs) wird nicht gegessen.

Weiter geht es noch mit der Überlegung, was grundsätzlich überhaupt zur menschlichen Nahrungsmittelpalatte gehört. Für die meisten Rohis ist zum Beispiel auch Rohmilch keine Rohkost, da sie eigentlich für Kälber gedacht ist.

Was Rohkost ist, wird also unterschiedlich interpretiert. Für die einen geht es eher bloß darum, dass das Essen nicht erhitzt wurde, die anderen stellen sich grundsätzlich die Frage: An welche Ernährung ist der Mensch genetisch angepasst?

 

Frisch geknackte Walnüsse.

 

Warum roh essen?
Warum ich persönlich roh esse? Nun, es geht mir körperlich und psychisch sooo viel besser damit als zu Kochkost-Zeiten (ein ausführlicher Bericht dazu kommt selbstverständlich noch!). Aufgrund meiner eigenen Erfahrung ist es also nur logisch, von der Rohkost überzeugt zu sein. Für mich sind daher mittlerweile theoretische Argumente für die Rohkost nicht mehr so relevant. Aber vor meiner Ernährungsumstellung natürlich schon! Und diese Theorie sieht kurz gefasst so aus:

Zunächst einmal zu einer grundsätzlichen These in der Rohkost, die besagt, dass der Mensch nicht optimal an gekochte Nahrung angepasst sei. Ursprüglich sind wir ja quasi alle Rohköstler (unsere tierischen Vorfahren, die Menschenaffen, kochen ja bis heute nicht) und die Vermutung lautet, dass die Zeitspanne in der Evolution, in der wir regelmäßig und intensiv unsere Nahrung erhitzen, einfach zu kurz war, damit sich der Mensch an die Kochkost hätte umfassend anpassen können. Unsere Verdauung und viele Körperfunktionen funktionierten daher noch fast genauso wie die unserer tierischen Vorfahren. Da man aber einen Benzinmoter nicht mit Diesel tanken sollte, sei Kochkost schädlich und Rohkost die für den Menschen beste Ernährung.

Für manche ist daher der Grund, zu Rohkost zu wechseln, auch die Hoffnung auf die Heilung einer Krankheit. Denn es wird eben angenommen, dass diverse Krankheiten darauf zurückzuführen sind, dass wir unseren Körper täglich falsch „tanken“. Tatsächlich gibt es zahlreiche Berichte darüber, die vermuten lassen, dass schwere Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose oder Diabetes durch Rohkost geheilt werden können (KÖNNEN. Es ist eine Chance, leider kein Versprechen).

 

Kokosnüsse sind wohl eines der Grundnahrungsmittel für viele Rohköstler.

 

Für manche mögen all diese Argumente erst mal wie nicht eindeutig belegbare Märchen klingen, aber hier kommen noch ein paar weniger spektakuläre, dafür aber etwas wissenschaftlichere Gründe.

Beim Erhitzen der Nahrung werden bekanntermaßen viele Vitamine, Vitalstoffe und Enzyme zerstört, die eigentlich so wichtig sind für die Gesunderhaltung unserer Körper. Wie ihr wisst, ist Vitamin C zum Beispiel extrem hitzeempfindlich. Das gleiche gilt für viele sekundäre Pflanzenstoffe, die unter anderem vor Krebs schützen können. Essen wir unsere Nahrung roh, erhalten wir das volle Spektrum der gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe!

Ein weiteres Argument für Rohkost ist, dass ab ca. 42°C sehr viele sogenannte AGEs in den Lebensmitteln entstehen, das sind Verbindungen aus Zuckern und Eiweißen. AGEs haben einen negativen Einfluss auf die Gesundheit und den Alterungsprozess des Körpers. Ein Beispiel ist das euch allen sicher bekannte Acrylamit, das als krebsfördernd gilt.

Naja, ich weiß nicht, irgendwie sind all diese Geschichten und wissenschaftlichen Argumente auch wieder nur blabla. :D Daher empfehle ich: einfach ausprobieren und schauen, wie gut sich Rohkost anfühlt. Nämlich so:

 

;)

 

Welche Arten von Rohkost gibt es?
Rohkost ist nicht gleich Rohkost, oooh nein! Es gibt inzwischen sooo viele Richtungen und jede will es am besten wissen… ;) Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass alle ihr Essen nicht erhitzen. Aber da hört es auch schon fast auf. Die vier großen Richtungen sind:

Instinktive Rohkost
Hier wird angenommen, dass es einen Ernährungsinstinkt gibt, der uns sagt, welche Lebensmittel der Körper gerade benötigt. Es wird an einer Auswahl von Lebensmitteln gerochen und das, was am besten riecht, wird gegessen. Und dieses soll dann auch am besten schmecken, da der Körper dann sagt: hey, super, mehr davon, genau das brauche ich gerade! Wenn es irgendwann nicht mehr gut schmeckt, hört man auf zu essen und isst dann, wenn man noch Hunger hat, das nächste Lebensmittel.
Die instinktive Rohkost besagt allerdings, dass der Instinkt nur dann funktioniert, wenn die Lebenmittel sich so weit wie möglich im Naturzustand befinden. Das heißt: es wird hier nicht gewürzt, nicht gesalzen, nicht gemischt und auch nicht entsaftet.
Ein Beispiel: mir persönlich schmecken rote Beete roh und ohne alles gar nicht. Nach der Theorie der instinktiven Rohkost würde das heißen, dass hier etwas drin ist, was mir nicht gut tut (rote Beete enthält zum Beispiel extrem viel Oxalsäure, die die Aufnahme von einigen Mineralstoffen behindert). Wenn ich die gleiche rote Beete mit anderem Gemüse entsafte und trinke, schmeckt es mir aber prima. Trotzdem habe ich meinem Körper aber eventuell ein Zuviel an Oxalsäure zugemutet. Er hat es nur nicht bemerkt, weil der für mich unangenehme Geschmack der roten Beete überdeckt wurde.
In der instinktiven Rohkost werden auch tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Eier roh gegessen. Milchprodukte und Getreide werden von von meisten abgelehnt, da angenommen wird, dass sie nicht zur natürlichen Nahrungsmittelpalette des Menschen gehören. Überhaupt ist bei der instinktiven Rohkost der evolutionäre Aspekt der wichtig:  es wird so gut wie möglich versucht, die ursprüngliche, „artgerechte“ Nahrung des Menschen zu imitieren.

Eindrücke aus der Praxis gibt es hier: Susannes Rohkost-Tagebuch
Zum Weiterlesen: Die Rohkosttherapie*

 

Austern – Rohkost ist nicht immer vegan ;)

 

Trendy Vegane Rohkost ;)
So nenne ich jetzt mal die Art der Rohkosternährung, die im Moment sehr angesagt ist. In der Öffentlichkeit ist diese Art der Rohkost aktuell wohl die weitaus bekannteste.

Hier wird hauptsächlich „nur“ Wert darauf gelegt, dass das Essen nicht erhitzt wurde – und natürlich, dass es vegan ist. Es wird aber im Gegensatz zur instinktiven Rohkost gemixt, gewürzt, entsaftet usw. Es gibt daher sehr viele leckere Zubereitungen, die manchmal von der Kochkost abgeschaut wurden. Beispiele: rohe Pizza, roher Kuchen, Nusskäse, rohe Schokolade, Mandelmilch, Rohkostcracker,… Aber natürlich gibt es auch eine große Bandbreite an Salaten!

Eindrücke aus der Praxis gibt es z.B. hier: Blog Nordisch Roh

 

Leckere rohe Energy Balls.

 

High Carb Raw Vegan Diet
Ich benenne sie jetzt mal bewusst auf englisch, da diese Art der veganen Rohkost mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten (Zucker) in den USA recht verbreitet ist. Der Pionier ist allerdings ein Deutscher: Helmut Wandmaker hat vor rund 30 Jahren mit seinem berühmten Buch Willst du gesund sein? Vergiß den Kochtopf!* als einer der allerersten zu einer obstbasierten Rohkost geraten.
Hier wird wie gesagt sehr viel Obst gegessen, wobei auch exotische Früchte eine große Rolle spielen (manch einer der ursprünglich amerikanischen Obst-Rohköstler lebt allerdings auch in den Tropen…). Früchtereiche Smoothies sind auch sehr beliebt, es werden aber auch gern Gerichte aus der oben erwähnten Küchen-Rohkost eingebaut.

Eindrücke aus der Praxis gibt es z.B. hier: FullyRawKristina

 

Smoothies sind bei vielen Rohis sehr beliebt.

 

Urkost
Diese Ernährung basiert auf dem Buch Der große Gesundheits-Konz*, das von Franz Konz vor über 30 Jahren geschrieben wurde. Wie der Name schon sagt, wird hierbei versucht, sich so zu ernähren, wie es für uns vor Urzeiten üblich war (ähnlich wie bei der instinktiven Rohkost). Als Inspiration dient hier allerdings konkret Nahrung unserer nächsten Verwandten, der Menschenaffen. Daher spielen Wildkräuter eine sehr große Rolle bei der Urkost, aber auch Früchte werden viel gegessen. Hinzu kommen Nüsse und Samen. Tierische Produkte werden (bis auf evtl. Insekten) abgelehnt.
Mittlerweile ist diese Rohkost-Richtung nicht mehr so „angesagt“ und wird heute am ehesten wohl noch von langjährigen (eher älteren) Rohköstlern praktiziert, die zu dieser Ernährung gekommen sind, als Franz Konz und auch Helmut Wandmaker (siehe oben) mit ihren Rohkost-Theorien sehr bekannt waren.

 

Blühender Borretsch – ein hübsches Kraut, das lecker nach Gurke schmeckt.

 

So, nun können wir die Schubladen, in die wir alle Rohköstler stecken können, fein säuberlich wieder schließen. ;) Nein, nein, natürlich sieht es in der Realität so aus, dass sich viele Rohis keiner bestimmten Richtung zuordnen lassen. Wenn ihr wissen möchtet, wie es bei mir aussieht: ich ordne mich tatsächlich ebenfalls irgendwo zwischen allem ein. Ich esse einen Großteil ungemischt und beziehe auch tierische Produkte in meine Ernährung mit ein (instinktive Rohkost). Es macht mir Freude, ab und zu tolle Rohkost-Gerichte wie Kuchen oder Pizza zu zaubern und esse regelmäßig einfache Salate (trendy vegane Rohkost). Ich liebe exotische Früchte wie Durian, Bananen oder Kaktusfeigen ebenso wie heimisches Obst und esse irgendetwas davon täglich (High Carb Raw Vegan Diet). So oft es geht, versuche ich aber auch Wildkräuter und überhaupt viel Grünzeug in meine Ernährung mit einzubauen (Urkost).

Das wäre nun der erste Teil meiner kleinen Rohkost-Serie. Ich hoffe, ich konnte euch heute einen kleinen Überblick darüber geben, was Rohkost überhaupt ist oder vielmehr sein kann. Falls ihr noch Fragen habt, ab in die Kommentare damit!

Im nächsten Teil werde ich euch meine ganz persönliche Geschichte erzählen, wie ich zur Rohkost gekommen bin und ich berichte euch, welche wunderbaren Auswirkungen die Ernährungsumstellung für mich hatte.

Liebste Grüße
Karina

 

 

Bilder # 1, 3, 4, 6, 7, 8 und 9 via pixabay

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6 Kommentare

  • Antworten Katrin 15. Januar 2019 at 22:27

    Wow, sehr spannend!
    Mich würde noch interessieren, wie du deine Ernährung mit deiner Familie vereinbarst, ob du trotzdem mit Freunden oder Familie in Restaurants gehst und wie du deine Ernährung im Urlaub (Hotel?) umsetzt.
    Sprich, wie diese Form der Ernährung mit dem Umfeld vereinbar ist – und ob du vielleicht mal Ausnahmen machst?
    Auch die Ernährung während deiner Schwangerschaften fände ich spannend (Thema Rohmilch…).
    Danke, dass du uns daran teilhaben lässt!

    • Antworten karina 17. Januar 2019 at 8:15

      Liebe Katrin,
      ganz wichtige Fragen! Darauf werde ich bald eingehen!
      LG Karina

  • Antworten Sandra 16. Januar 2019 at 19:25

    Wow, sehr interessant! Ich frage mich das gleiche: wie lässt sich diese Ernährungsform in den (Berufs-) Alltag integrieren, der ja auch Dinner, Reisen etc beinhaltet… bin gespannt! LG Sandra

    • Antworten karina 17. Januar 2019 at 8:16

      Liebe Sandra,
      ok, dazu werde ich bald etwas berichten!
      LG Karina

  • Antworten Antonia 16. Januar 2019 at 20:20

    Ich finde deinen Artikel sehr interessant.
    Dennoch finde ich den Hinweis auf die Heilung von Krebs und MS sehr kritisch. Es denken schon genug Menschen, dass Mariendistl und Co gegen Krebs helfen und sterben daran.
    https://www.zentrum-der-gesundheit.de/vegane-rohkost-gegen-brustkrebs-ia.html
    Hier wurde ja scheinbar nicht einmal untersucht, ob es sich wirklich um Krebs oder womöglich einen gutartigen Knoten gehandelt hat.

    • Antworten karina 17. Januar 2019 at 8:14

      Liebe Antonia,
      danke für deinen Kommentar! Ich weiß, dass es immer gefährlich ist, „Wunderheilungen“ zu versprechen. Ich möchte meinen Hinweis dennoch gerne im Artikel lassen, denn ich hoffe, dass sich interessierte Leser dann ein umfassendes Bild von den Möglichkeiten einer Heilung durch Rohkost machen werden. Ich wollte hier auch nur jeweils EIN Beispiel geben, wo es erfolgreich war. Ich kenne aber auch im Bekanntenkreis eine Frau, die durch diese Ernährung ihren Krebs stoppen konnte. Es ist also wenigstens eine Chance auf Heilung für manche… Kein Versprechen natürlich.
      Ich werde aber deinen Einwand gerne beachten und noch stärker darauf hinweisen, dass es keine Garantie für Heilung ist.
      LG Karina

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